Samstag, 25. Mai 2013

Sapa

Morgens um 7 Uhr erreichten wir ziemlich müde von der wenig erholsamen Nacht im Zug den Bahnhof von Lao Cai. Hier ist Endstation für den Zug, denn Sapa ist eine kleine Stadt in den Bergen, die keinen eigenen Bahnhof besitzt. Die restlichen Kilometer bis nach Sapa legt man im Auto, auf dem Motorbike oder im Minibus zurück. Kurz vor dem Ziel wartet dann die grösste Herausforderung für alle Reisenden am Bahnhof von Lao Cai in Form duzender Taxi-, Minibus- und Motorbikefahrern. Glücklicherweise wurden wir vor den dreisten, aufdringlichen und skrupellosen Leuten gewarnt, die in den Zug springen, sobald dieser angehalten hat, um Jagt auf potentielle Kundschaft zu machen. Für uns ist diese "Begrüssung" ohne Probleme abgelaufen, da wir bestens informiert waren, welche Preise für die Strecke angemessen sind. Einige Minuten später sassen wir im Bus nach Sapa und genossen den wunderschönen Ausblick während der Fahrt. 
Die Stadt liegt auf 1600 Höhenmeter im Hoang Lien Gebirge, einem östlichen Ausläufer des Himalaya, nahe der chinesischen Grenze. Auch der höchste Berg Vietnams, der 3100 Meter hohe Fansipan befindet sich nur wenige Kilometer von Sapa entfernt. In der Region leben viele ethnische Minderheiten, die heute noch einen traditionellen Lebenstil pflegen und das Landschaftsbild mit ihren Reisterrassen prägen. Zu den bekanntesten gehören die Black H'mong, Red Dzao und Tay Minderheiten. Da in den letzten 10 Jahren immer mehr Touristen nach Sapa kamen, haben sich viele Frauen der Bergvölker aufs Verkaufen von Souvenirs spezialisiert, so dass man heute als westlich aussehende Person oft von ihnen angesprochen und in ein Gespräch verwickelt wird, damit man ihnen danach etwas abkauft. Auch Reisebüros, die geführte Trekkingtouren durch die Berge anbieten, sind wie Pilze aus dem Boden geschossen. Bei vielen Firmen bedeutet eine "geführte Tour" aber lediglich, dass ein "Guide" voraus läuft, der kein Wort Englisch spricht und man deshalb nichts über die Menschen und ihre Lebensweise lernt. Diese Enttäuschung wollten wir vermeiden und haben daher bei einem kleinen, lokalen Veranstalter, der jungen H'mong Menschen eine Ausbildung und einen sicheren Arbeitsplatz bietet, eine Trekkingtour gebucht. Obwohl wir trotz der vielversprechenden Tour immer noch ein wenig skeptisch waren, haben sich jegliche Zweifel in Luft aufgelöst als wir am nächsten Tag unseren Guide Peng kennengelernt haben, die uns für einen Tag durch die umliegenden Dörfer geführt hat. Sie ist kaum grösser als 1.50 m, 23 Jahre alt und die liebenswerteste Person, die man sich nur vorstellen kann. Eigentlich habe ich mich vor allem auf die schöne Landschaft auf der Wanderung gefreut, doch jetzt erinnere ich mich vor allem an unsere Begegnung mit Peng.
Nachdem die üblichen Fragen, die einem jede H'mong Frau stellt, (where are you from? what is your name? how old are you? are you married?) geklärt waren, erzählte sie mir von ihrer schwierigen Vergangenheit mit ihrem Ex-Mann, der sie geschlagen und bedroht hat aber auch von ihren Hobbies, ihrem Sohn, ihren Freunden und natürlich auch viel über ihr Volk, die Black H'mong. Wir verstanden uns so gut, als ob wir alte Freundinnen wären und haben während der Wanderung viel zusammen gelacht und geplaudert. 














Peng und Ich 

ja,sie ist wirklich klein...;)
Die Black H'mong Frauen, in ihrer typischen Tracht aus schwarzen und blauem Stoff, waren allgegenwärtig, als wir mit Peng durch die Dörfer gelaufen sind und mir ist aufgefallen, welch harte Arbeit diese Frauen verrichten. Sie tragen Körbe mit etwa 25 Kilogramm Holz, Reis oder anderen Waren und scheinen viel mehr zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen, als die Männer. Diese sitzen oft auf den Strassen oder in Cafés und rauchen oder trinken. Die schwere Arbeit, die die Frauen (neben der Kindererziehung) bewältigen, spiegelt sich auch in der sozialen Rangordnung wieder, denn Frauen sind hier nicht "minderwertig", im Gegenteil, sie wissen ganz genau, was sie wollen.








Die H'mong Völker sind eine ethnische Minderheit, deren Wurzeln in China und der Mongolei bis 4000 Jahre zurückgehen. Neben den Black H'mong gibt es auch andere Stämme, die sich vor allem durch ihre Bräuche und Kleidung voneinander unterscheiden. Nachdem die H'mong Völker in China von den dort lebenden Han-Chinesen immer mehr zurückgedrängt wurden, wanderten viele von ihnen nach Thailand, Vietnam und Laos aus, wo sie heute vor allem in Berggebieten leben. Einige von ihnen wurden aber während der Indochinakriege aus ihrer Heimat vertrieben und flüchteten nach Amerika, Europa und Australien. Insgesamt gibt es zur Zeit etwa 4 Milionen Menschen, die der H'mong Ethnie angehören. Die H'mong, die sich selbst als "freie Menschen" bezeichnen, leben in grossen Familien und Sippen, die Essen, Haus, Felder und Tiere miteinander teilen und sich in schwierigen Zeiten unterstützen. Rat wird meistens bei der älteren Generation gesucht, die besonders respektiert und angesehen ist. Obwohl die H'mong nicht einer bestimmten Religion zugeordnet werden können, praktizieren sie teilweise den Bhuddismus, Taoismus, Ahnenkult und verehren Naturgeister. 



          

          

Die Wanderung mit Peng hat uns beiden sehr gut gefallen und wir haben viel Interessantes über dieses Volk gelernt. Doch in Sapa gibt es neben den Bergvölkern auch wunderschöne Natur, herrliche Passtrassen und Wasserfälle zu erkunden. Aus diesem Grund beschlossen wir, ein Motorbike zu mieten und uns auf die Suche nach diversen Wasserfällen zu machen, die etwas ausserhalb von Sapa liegen. Die Fahrt führt über eine Passtrasse nahe an der chinesischen Grenze entlang und es ist allein wegen des Ausblicks über die Täler lohnenswert, eine Motorrad-Tour zu machen. Die Wasserfälle, die sich in Asien grosser Beliebtheit erfreuen, wie wir schon in Thailand festgestellt haben, waren viel spektakulärer als wir gedacht haben. Vor allem der mehrstöckige Paradise Waterfall hat und sehr beeindruckt.





Paradise Waterfall







Fansipan



Einen weiteren Wasserfall erreicht man nur über einen kleinen Wanderweg, der einem durch die grüne Landschaft Nordvietnams führt, vorbei an grasenden Wasserbüffeln und einer genialen Aussicht auf die Berge. Interessanterweise sehen die Berge der "vietnamesichen Alpen", wie das Gebirge auch genannt wird, sehr anders aus, als wir es uns gewohnt sind. Die unterschiedliche Zusammensetzung des Gesteinsmaterial und natürlich andere Plattenbewegungen haben bewirkt, dass die Berge auch im Norden Vietnams eher an die Kalksteinfelsen der Halong Bucht erinnern, als an Berge der Schweizer Alpen.
Unser Aufenthalt in Sapa war leider auf zwei Tage begrenzt, da wir uns entschieden haben danach mit dem Bus in die Bac Ha Provinz zu fahren, um dort den bekannten Sonntagsmarkt der Flower H'mong Menschen zu erleben. 

Dienstag, 21. Mai 2013

Ha Long Bay

Die Ha Long Bucht ist das mit Abstand beliebteste Reiseziel in Vietnam und jeder, der es bis hierher geschafft hat, sollte dieses Naturphänomen sehen. Schon in Hanoi gibt es an jedem Ecken Reisebüros, die einem eine Tour zur Ha Long Bay verkaufen wollen, doch die vielen Berichte über schlechte Sicherheit an Bord der Touristenschiffe bewegte uns dazu, einen sehr guten und vertrauenswürdigen Anbieter zu suchen, auch wenn dies wegen der unglaublichen Anzahl der Schiffe nicht einfach war. Wir sind bei Indochina Sails fündig geworden, die eine ziemlich neue Flotte an Schiffen im traditionellen chinesischen Juke Stil betreibt. 
Die Bucht von Ha Long befindet sich im Nordosten Vietnams und erstreckt über ein 1550 km2 grosses Gebiet und beheimatet knapp 2000 Kalksteinfelsen, die wie Skulpturen aus dem Wasser ragen. Entstanden sind diese Formationen als vor nicht allzu langer Zeit, als dieses Karstfelsenplateau im Wasser versunken ist. Der Name Ha Long Bay bedeutet übersetzt "Bucht des abtauchenden Drachens" und zählt zur Zeit etwa 1200 Bewohner die auf den Inseln oder in schwimmenden Dörfern leben. Neben den Kalksteinfelsen gibt es in der Bucht auch zahlreiche Höhlen mit Stalakmiten und Stalaktiten zu bewundern, die sich teilweise gut versteckt im dichten Dschungel befinden. Das Gebiet der Ha Long grenzt an China, das sich weniger als 2 Fahrtstunden nördlich befindet.
Unsere Tour startete in Hanoi, wo wir morgens abgeholt wurden und nach einer dreieinhalb-stündigen Fahrt über eine holprige Strasse die Bucht von Ha Long erreichten. Hier hat uns unser  Guide Ha in Empfang genommen und aufs Schiff gebracht. Im Anschluss kamen wir das erste Mal in Genuss des unglaublich guten Essen an Bord, das besonders den Seafood Begeisterten unter uns sehr geschmeckt hat! Während wir mit gemächlichem Tempo durch die Bucht gefahren sind, konnten wir die unglaubliche Landschaft um uns bewundern. Nach drei Stunden Fahrt sind wir mit dem Kajak ausgerüstet das erste Mal selbst um die Kalksteinfelsen herum gepaddelt. Es war schlicht und einfach der Wahnsinn! 


 

 

 



Ha, der offensichtlich viel Erfahrung hat, führte uns sicher durch das endlos scheinende Felsenlabyrinth an einen Strand, wo wir unsere Kajaks an Land zogen, um dann selbst ins kühle Nass zu hüpfen. Dabei kamen wir schnell mit unseren Mitreisenden aus England, Amerika, Australien, Irland und Schottland ins Gespräch und wir genossen den Ausflug in vollen Zügen. Zurück an Bord der Dragon Pearl II, unserem Schiff, wurden wir mit einem Nachtessen mit Krabben und allerlei sonstigen Meeresfrüchten verwöhnt, die frischer nicht hätten sein können. Diesen schönen ersten Tag in der Bucht von Ha Long liessen wir auf dem Deck des Schiffs ausklingen und haben dabei den interessante Geschichten von Ha zugehört. Es hat mich sehr erstaunt, dass er sich zu uns gesetzt hat und zu erzählen begann, als ob wir uns schon lange gekannt hätten. In Thailand haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Guides zwar sehr freundlich sind, sich aber nach dem Ende des Programms zurückgezogen haben und wir für uns alleine waren. Ha ist nur ein Beispiel für die Herzlichkeit und Offenheit der Vietnamesen, die wir sehr zu schätzen gelernt haben.

 






Der nächste Morgen begrüsste uns mit viel Nebel uns Nieselregen und die Ha Long Bucht sah auf ein Mal sehr mystisch, beinahe märchenhaft aus. Nach dem Morgenessen lichtete sich der Nebel pünktlich zu unserer zweiten Kajakfahrt, die um einiges länger uns anstrengender war als die Erste. Einen grossen Teil der Strecke führte durch ein weniger geschütztes Gebiet am Rande der Bucht, wo die Wellen spürbar grösser waren. Nach etwa 1.5 Stunden kamen wir am Ziel an, einem wunderschöner Strand, umgeben von dicht bewachsenen Kalksteinfelsen.







Für den zweiten Abend an Bord haben sich die Veranstalter etwas ganz Besonderes einfallen lassen:  Dinner in Cave - Nachtessen in einer Höhle! Was schon sehr vielversprechend klang, war das  unbestrittene Highlight der Tour. Wir wurden mit einem kleinen Boot zu einer Insel gefahren, wo ein wunderschön gedeckter Tisch in Mitten einer kerzenbeleuchteten Höhle auf aus gewartet hat. Nach dem Essen hat sich die ganze Crew in Form gesungender Lieder, unter anderem der vietnamesische Nationalnalhymne, bei uns bedankt. Danach sind wir, um eine unbeschreibliche Erfahrung reicher, glücklich auf unser Schiff zurückgekehrt.


eine Junke aus Kürbis, Karotten und Wassermelonen
kunstvoller Baby-Drache
Am Morgen des dritten Tags besuchten wir ein Fischerdorf, das komplett auf dem Wasser schwimmt - ein sehr ungewöhnlicher Anblick. Hier gibt es alles, was man zum Leben braucht: eine Schule, Internetanschluss, einen kleinen Laden und sogar ein Museum. Die Menschen hier haben sich ihrer Umwelt gut angepasst und es scheint für sie das Normalste der Welt zu sein, auf dem Wasser zu leben. Das Dörfchen liegt gut geschützt in einer natürlichen Bucht aus Kalksteinfelsen, sodass die Bewohner mehrheitlich von Stürmen und Wellen geschützt sind. Die Menschen hier leben vor allem von der Fischerei, der Perlenzucht und in jüngerer Zeit auch von Tourismus. Im Fall dieses Fischerdorfes hatte der wachsende Tourismus in der Region bisher einen guten Einfluss. Ha erzählte uns von seinem ersten Besuch im Dorf vor etwa 6 Jahren, als das Wasser voll mit Abfall war und viele Kinder anstatt die Schule zu besuchen, den Eltern bei der Arbeit helfen mussten. Die Firma Indochina Sails hat sich dann diesen Misständen angenommen und half bei der Beseitigung des Abfalls, der Sensibilisierung der Bewohner für den Umweltschutz und unterstützt mit den Einnahmen den Aufbau einer guten Infrastruktur und Schulbildung für alle Kinder des Dorfes. Es war interessant zu sehen, wie Menschen in dieser Umwelt leben, aber es war noch viel besser zu sehen, dass der Tourismus tatsächlich auch Gutes für die Bevölkerung bewirken kann.






 

 

Primarschule
Leider war nach diesem Ausflug unsere Tour schon fast zu Ende und wir hatten während der Rückfahrt zum Hafen das letzte Mal die Möglichkeit die Kalksteinfelsen zu bewundern. 
Nachdem uns Ha alles Gute gewünscht hat und wir uns verabschiedet haben, ging es mit dem Minibus los in Richtung Hanoi. Um die lange und unangenehme Fahrt ein wenig interessanter zu machen, waren wir auf halber Strecke während einer Pause zu einer traditionellen Water-Puppet-Show eingeladen, die vietnamesche Version des Kasperlitheaters. Die Geschichten werden mit Hilfe von kleinen Puppen von Musik begleitet dargestellt und handeln meist vom Leben auf dem Land, dem Reisanbau oder von Drachen und Feen.





Die Rückkehr nach Hanoi war leider alles andere als gemütlich, denn die Zeit reichte gerade um etwas zu Essen bevor wir den Nachtzug nach Sapa nahmen, unser nächstes Ziel in den Bergen Nordvietnams. Während ich im ruckelnden und scheppernden Zug lag und zu schlafen versuchte, war in Gedanken immer noch bei der wunderschönen Ha Long Bay, einem der wohl schönsten Fleckchen Erde auf der Welt.